Am 19.6.06 starteten mein Freund Alex und ich mit meinem Gespann (Golf Variant und Hobby 460) zu einem Surf- und Erholungs-Trip nach Sardinien. Gleich nach der Abfahrt, auf dem Autobahn Zubringer fing bei 90 plötzlich mein Hänger an zu schlingern... großer Schreck, was ist jetzt los? Aber es war nichts schlimmes, ich hatte nur vergessen meine SSK "einzuschalten" (rotwerd). Danach lief das Gespann wie am Schnürchen :-)

 

Einige Tage zuvor war gerade der große Felssturz an der Gotthard Autobahn, und diese war deshalb gesperrt. Also wurde die Route geändert. Es ging bei schönem Wetter über Konstanz den Bodensee entlang auf die Schweizer Rheintalautobahn an Chur vorbei über San Bernardino, Bellinzona, Chiasso, Mailand, Parma nach Livorno. Wegen der ungewissen Verkehrslage starteten wir recht zeitig, um etwa 14 Uhr.

 

Aber der Verkehrsfluss lief so gut, daß wir schon um 1:00 Uhr in Livorno ankamen. Ich fuhr die erste Etappe bis Chiasso. Dort tankten wir nochmal und Alex fuhr den Rest bis Livorno. Im Hafen suchten wir uns eine ruhige Ecke und legten uns bis um 7 Uhr aufs Ohr. Wir wurden durch heftigen Betrieb zeitig wach, frühstückten gemächlich und checkten dann ein. Der Transfer nach Olbia verlief ruhig und wir erreichten am Nachmittag die Insel. Bis zum Camping Isola dei Gabbiani (Porto Pollo) fuhren wir dann noch eine gute Stunde, vorbei an Palau, über den Damm, und wir konnten aufatmen. Gut zwei Wochen chillen....

 

Wir richteten uns gemütlich ein. Das Vorzelt beziehungsweise Vordach war etwas problematisch. Auf dem steinigen Boden waren selbst Nägel kaum reinzubringen. Aber auch das klappte nach einiger Mühe, und eine herrliche Mahlzeit im Restaurant ließ uns die Reisestrapazen vergessen. Wir waren ja nicht das erste mal hier, so dass wir die sonst üblichen erkundungs Touren ausfallen lassen konnten. Es hatte sich auch nicht viel geändert seit dem letzten Besuch hier, vor drei Jahren.

 

Am nächsten Tag war Wind, und so wurde hurtig aufgeriggt (Surfsegel aufbauen). Damned old horny.. Ich hab drei Garnituren Segel dabei; aber die Gabelbaum Endstücke liegen daheim. :-[ Die Surf Mafiosi vor Ort wollen so viel Miete für einen Gabelbaum, daß ich mir daheim drei neue davon hätte kaufen können. So konnte ich halt nur Surfen, wenn mein Kumpel genug hatte, so dass ich mir seinen Gabelbaum ausleihen konnte. Aber so alte Hasen wie wir halten eh nicht mehr lange durch, sodaß es letzen Endes ganz gut ging, mit dem Abwechseln. :-}

 

Es war auch gerade Fußball WM. Ich hatte meinen Notebook, eine 35er Schüssel und einen USB Sat Receiver dabei. Der Empfang klappte erstaunlich gut, hin und wieder fanden sich Nachbarn ein, um bei einer "Schaumrolle" die Übertragung aus der Heimat zu genießen, und wunderten sich über meinen ungewöhnlichen "Fernseher".

 

 

Eines schönen Tages, als kein Wind die Wellen kräuseln wollte, beschlossen wir einen Trip auf das Archipel La Maddalena. In Palau mieteten wir uns einen 125er Scooter, setzten mit der Fähre über nach La Maddalena und umrundeten auf guten und weniger guten Straßen die beiden Inseln. Über einen Damm und Brücke erreicht man auch die Insel Caprera, auf der es aber keine "Rundtour" gibt. Man kann nur ein Stück nach Norden in die Berge fahren wo die Straße ziemlich abrupt aufhört.

 

Aber ein herrlicher Rundumblick entschädigt für die Enttäuschung. Nach Süden führt auch nur eine Straße, die gegen Ende in einen Schotterweg übergeht. Auch La Maddalena ist bergig und es gibt viele Stellen, wo man von der Höhe aus die kleinen Steininseln drum herum und auch Korsika in der Ferne, mit den Inseln davor sehen kann. Am nächsten Tag erkunden wir mit dem Roller noch Wege in der Gegend von Porto Pollo, wo man mit dem Auto nicht hinkommt, bevor wir ihn wieder zurückbrachten. Einen weiteren Ausflug machten wir mit dem PKW in das "Hinterland" von San Theresa Gallura. Das ist die Hafenstadt, wo die Fähre nach Korsika rübergeht. Hier wird gebaut auf "Teufel komm raus". Die Natur wird gnadenlos zugepflastert mit Feriendomizilen aller Arten.

 

Ich war vor fast 30 Jahren das erste mal auf Sardinien. Wenn ich die alten Bilder von damals anschaue, tut mir das Herz weh.... Aber so ist die Wirtschaft halt, und man kann den Leuten dort den "Fortschritt" nicht verwehren.

 

 

 

 

Naja, die Zeit verging wie immer viel zu schnell und plötzlich war Ende. Ich checkte Mittags aus und bezahlte bis am Abend. Zum Abschied ließen wir uns nochmals im Restaurant verwöhnen, und schliefen außerhalb des Campings, weil wir uns morgens schon früh auf den Weg machen mussten. Die Fähre hatte diesmal eine gute Stunde Verspätung. Der Parkplatz war gerammelt voll, und man glaubt gar nicht, wenn man die Autos alle sieht, dass die in der Fähre Platz haben. Aber sie hatten... Acht Stunden später legten wir nach ruhiger Überfahrt wieder in Livorno an. Mit dem letzten Tropfen Sprit im Tank, suchte ich verzweifelt die nächste Tanke.. Kein Problem, in einer Stadt wie Livorno, dachte ich. Ich öffnete den Deckel, hängte den Rüssel rein, aber nichts tat sich. Ich guckte nach dem Tankwart, bis ich begriff, dass die Tankstelle außer Betrieb war. Verärgert hängte ich den Rüssel wieder an seinen Ort und fuhr weiter. An der nächsten Tanke, die dann gottlob funktionierte, stellte ich noch verärgerter fest, dass ich an der vorigen vor Frust den Deckel vergaß zu schließen. Shit...der war weg ich stellte mir vor, was bei VW ein neuer kostet... aber es war dann halb so schlimm ... Die freundliche Tankfrau meiner Stamm-Tanke hatte einen ganzen Karton voll von "Fundstücken", und weil mein Auto ein nicht grad seltenes Modell ist :-) fand sich auch ein passender, der mich bis auf ein kleines "Bakschisch" nichts kostete.

 

Der Rückweg, wieder über den San Bernardino gestaltete sich genauso wie der Hinweg. Der Anstieg bis zum Tunnel war etwas beschwerlicher für mein "schmalbrüstiges" Zugfahrzeug (75 PS Benziner), weil die Schnellstraße auf dem letzten Abschnitt wegen Baustelle gesperrt war. So ging die Fahrt über die alte Straße, aber mein "Zugesel" packte das ziemlich locker. Die Temperaturanzeige bewegte sich ziemlich an der oberen Grenze, jedoch ohne, dass der Warnblinker "anschlug". Es hatte nämlich auch noch über 30 Grad Außentemperatur, selbst am Abend. So war ich ziemlich erleichtert, als wir den Tunnel hinter uns hatten und die Fahrt fast nur noch bergab ging.

 

Kurz nach Mitternacht erreichten wir dann wohlbehalten unseren "Heimathafen".